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07.08.2004 - Rolls-Royce zum Schleuderpreis: Oldtimer-Paradies
Südafrika
Kurz hinter Hout Bay zieht Michael Bernecker die Gänge
seines roten Jaguar E hoch und jagt ihn durch die Kurven am
Chapman's Peak. Die Arbeiter entlang Südafrikas spektakulärster
Küstenstraße schauen beim röhrenden Sound
des Prachtexemplars erstaunt auf. Das gepflegte Cabriolet
ist ein Blickfang - auch wenn rund um Kapstadt an gut restaurierten
Oldtimern kein Mangel besteht.
"Er hatte gerade mal 50.000 Kilometer auf dem Tacho,
als ich ihn in Johannesburg gekauft habe", sagt der Münchner,
der die Hälfte des Jahres in seinem Haus am Kap verbringt.
So wie er entdecken immer mehr Ausländer in Südafrika
das enorme Oldtimer-Potenzial des Landes.
Vom Morris Minor bis hin zu Rolls Royce, Porsche, BMW-Isetta,
DKW oder Ford-T-Modell reicht die Spanne. Schon für knapp
10.000 Euro wechselt am Kap ein exzellent restaurierter Chevrolet
Tourer aus dem Jahre 1929 den Besitzer - Ersatzteile inklusive.
Ein gut erhaltener Buick aus den vierziger Jahren bringt es
gerade einmal auf 38.000 Rand (4.766 Euro), einen Rolls Royce
gibt es schon ab 149.000 Rand (18.686 Euro). Gepflegte Nachkriegsmodelle
wie der DKW Junior aus den 1960ern sind dagegen ab 20.000
Rand (2.508 Euro) zu haben, eine BMW-Isetta, ein VW-Käfer
mit Bretzelfenster oder ein Goggo-Coup für um die 30.000
Rand (3.762 Euro). Lediglich Raritäten wie Porsches 356
BT6-Cabriolet mit Hard-Top aus dem Jahre 1963 sind auch am
Kap mit rund 290.000 Rand (36.369 Euro) relativ hochpreisig.
In Südafrika, wo zu Zeiten der Apartheid vor allem im
Bergbau das große Geld verdient wurde, wurden alle PS-Klassen
aus allen Ländern importiert. Die weißen Ingenieure,
Zuckerbarone und Manager verdienten gut, und Autos waren ein
Teil der Kompensation für das mitunter eintönige
Leben in den entlegenen Siedlungen. Die guten Wetterverhältnisse
in den meisten Landesteilen stellten sicher, dass die Fahrzeuge
kaum Rostprobleme bekamen. So manches Auto hat auch nach 50
Jahren noch immer den Originallack und sieht aus wie neu.
"Viele Südafrikaner ahnen gar nicht, was diese Autos
wert sein können", sagt Patricia Brenner. Die 34-jährige
Deutsche ist Managerin von MotorClassic - einem noch jungen
Unternehmen, das den Tourismusboom am Kap mit dem Wunsch nach
Nostalgie und Exklusivität kombinieren will. Mit 21 Oldtimern
ging das Kapstädter Unternehmen Ende April an den Start.
Die Bandbreite reicht vom Flaggschiff - einem feuerroten Jaguar
E-Coupe - über einen 45 Jahre alten Bentley SII oder
einen nur leicht jüngeren Volvo P 1800 bis hin zum legendären
VW-Käfer-Cabrio.
http://www.motorclassic.co.za
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