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22.10.2004 - Rentenmarkt - Südafrikanischen Anleihen winkt eine Hochstufung

Entgegen der zu Jahresbeginn geäußerten Erwartungen der überwiegenden Mehrheit der Marktteilnehmer zeigt sich der Rentenmarkt in Europa wie in Amerika robust. Die Renditen für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen liegen trotz dreier Leitzinserhöhungen mit 4,1 Prozent fast 80 Basispunkte unter dem Niveau von Mitte Juni. Entsprechende deutsche Zinstitel werfen sogar nur 3,9 Prozent ab, nach gut 4,4 Prozent im Frühsommer. Der für den deutschen Rentenmarkt wegweisende Terminkontrakt Bund-Future hat zum Wochenschluß mit 116,72 Prozent ein neues Rekordniveau erreicht, während der Aktienmarkt, belastet von schwachen Konjunkturdaten aus Amerika und dem Ölpreisanstieg, schwächelt.

Der Rentenmarkt profitiert von der Kaufzurückhaltung bei Aktien und der hohen Liquidität bei Asiaten, zudem spielt er die Karten „gedämpftes Wachstum” und „niedrige Inflation” trotz des Ölpreisanstiegs. Mit einer Leitzinserhöhung in Europa wird frühestens 2005 gerechnet. Dies ist der Hintergrund, vor dem auch einige Monate alte Warnungen, die Anleihen von Schwellenländern könnten unter den Leitzinserhöhungen leiden, ins Leere gelaufen sind. Nicht nur hochprozentige Zinstitel aus Brasilien und der Türkei, die „Ramsch”-Status haben, laufen sehr gut - auch die Anleihen von Schwellenländer mit dem begehrten Investment-Grad erfreuen sich weiter großer Beliebheit.

Die Suche von Investoren nach hohen Renditen hat nun die 2013 fälligen Anleihen Mexikos und Südafrikas auf neue Höhen getrieben. Und der entsprechende Titel Tunesiens bewegt sich fast auf Rekordniveau. Alle drei Länder weisen bei der Ratingagentur Moody´s Investor Service das Baa2-Rating auf; Standard&Poor´s bewertet Mexiko und Südafrika mit dem gleichwertigen BBB und Tunesien etwas schwächer mit BBB-. Dabei winkt Südafrika eine Hochstufung durch Moody´s, was die Nachfrage nach den Zinstiteln vom Kap noch stützen dürfte.

Kursanstieg seit Mai übersteigt Jahreszinskupon

Moody´s überprüft nach Angaben der WGZ-Bank derzeit das Rating von Südafrika. Die moderate Auslandsverschuldung und die gut geführte Wirtschaftspolitik würden von der Agentur als Gründe für die verbesserte Perspektive und die damit verbundene Überprüfung genannt. „Eine Heraufstufung dürfte allerdings bereits vom Markt erwartet werden, so daß eine Rating-Verbesserung voraussichtlich keine großen Kurseffekte haben wird”, meint die WGZ-Bank in einem Kurzkommentar.

Aber auch so können sich Besitzer von Langläufern unter Euro-Anleihen vom Kap freuen: Der zu einem Kurs von knapp unter 100 auf den Markt gekommene 2013 auslaufende Titel notierte am Freitag im Tagesverlauf nach einem Gewinn von 1,03 Prozent mit 103,25 Prozent; aktuell beträgt der Kurs 102,75. Das Papier steht damit so hoch wie noch nie. Im April wurde der Titel noch zum Kurs von 95 Prozent gehandelt. Anders ausgedrückt: Seitdem hat er in Euro gerechnet gut 80 Euro gutgemacht, und das ist mehr, als der Titel an Zinsen abwirft: Der Jahreskupon beträgt 5,25 Prozent, also 52,50 Euro. Aus dem aktuellen Kurs ergibt sich eine Rendite von 4,85 Prozent.

Etwas mehr bringt die ebenfalls 2013 fällige Euro-Anleihe Mexikos, die auch mit 103,25 Prozent auf Rekordniveau tendiert. Sie kommt auf eine Rendite von 4,99 Prozent bei einem Kupon von 5,375 Prozent - und hat eine ähnliche Rally hinter sich wie das südafrikanische Pendant. 4,975 Prozent bringt die mit 6,25 Prozent und ebenfalls noch rund neun Jahre laufende tunesische Anleihe, die mit 108,5 Prozent notiert; ihr Rekordhoch steht bei 109 Prozent.

„Südafrika-Titel dürfte auch aggressive Zinserhöhung verkraften”

Aus der Sicht von Beda Kronlage, bei der WGZ-Bank zuständig für Schwellenländer, sind alle drei Papiere weiter ein Kauf, wobei er die südafrikanische Anleihe bevorzugt. Denn Südafrika stehe wirtschaftlich einen Tick besser da als Mexiko und sei nicht wie das lateinamerikanische Land stark abhängig vom Konjunkturverlauf in den Vereinigten Staaten. Selbst wenn die Zinsen in Europa und Amerika stärker als derzeit erwartet steigen sollten, werden Schwellenländer-Anleihen mit ordentlichem Rating wie bei Südafrika nicht stärker unter Druck geraten, wie Kronlage meint. Denn diese Titel hätten sich etabliert und zählten dauerhaft zum Portfolio vieler Anleihekäufer.

 










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